Orakel und „Die Stimme Gottes“

Seien es bevorstehende Ereignisse oder persönliche Impulse, die zu Entscheidungen drängen: wenn der Verstand nicht mehr weiter weiß, neigen Menschen dazu, die „kosmische Weisheit“ um Rat zu befragen. Viele sind sich dessen nicht unbedingt bewusst. Wer hat nicht schon einmal eine Münze geworfen, um eine „Ja“ oder „Nein“ Antwort zu erhalten oder auf bestimmte Omen (Vorzeichen) geachtet, um sich für das eine oder das andere zu entscheiden? Wer war nicht schon verunsichert, ob es der richtige Partner ist bzw. die neue Bekanntschaft vertrauenswürdig oder ob es der richtige Job ist, eine Investition Gewinn bringt usw.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit derartigen Unsicherheiten umzugehen. Auch heute, in der „aufgeklärten“ Zeit, ist es gängig, „Orakel“ um Rat zu bitten. Ob nun Kartenlegen oder I Ging, Horoskope oder sonstige Orakel, letztendlich wird darauf vertraut, Antworten von einer „höheren Weisheit“ zu erhalten.

Es liegt anscheinend in der Natur des Menschen, sich an eine höhere Weisheit zu wenden, wenn der Verstand nicht mehr weiterweiß, auch wenn dieser Impuls insbesondere bei „Verstandesmenschen“ massiv unterdrückt sein kann.

Ist dies nur eine verzweifelte Schwäche, weil der menschliche Verstand begrenzt ist, oder erhalten wir tatsächlich kosmischen Rat und Hilfe, wenn wir darum bitten (z. B. auch beim Beten)? Wird der Mensch durch die Schulung des Verstandes die abergläubigen Praktiken überwinden oder wird sein Bewusstsein die Beschränktheit des menschlichen Verstandes überwinden, indem er bewusst die kosmische Weisheit für seinen Erkenntnisprozess nutzt?

Bereits in den Naturvölkern gab es Menschen, die einen besonderen Zugang zur kosmischen Weisheit hatten, zum Beispiel Schamanen, HeilerInnen, PriesterInnen usw., die sich mit der kosmischen Weisheit verbinden, um Antworten auf anstehende Fragen des Lebens zu erhalten.

Die sogenannten „heidnischen Weisen“ wurden von der späteren patriarchalischen Priesterschaft verfolgt, bekämpft und bis ins späte Mittelalter als Ketzer oder Hexen getötet. Als Grund für die Verfolgung von „heidnischen Weisen“ wurde behauptet, dass sie „Teufelswerk“ betrieben, während (prophetische) Offenbarungen und Orakelpraktiken innerhalb des Priestertums als göttlich gepriesen wurden. Es wurde demnach mit zweierlei Maß gemessen, was sich auch heute noch nicht geändert hat. Nach wie vor wird die Befragung der kosmischen Intelligenz außerhalb der Kirchen, Sekten als Teufelswerk verschrien, während (selbsternannte) Propheten in religiösen Machtgefügen angeblich göttliche Offenbarungen erhalten und auch Orakelpraktiken vollziehen.

In Überlieferungen aus der vorchristlichen Zeit, wird die Kommunikation mit einer unsichtbaren Wesenheit als göttliche Botschaft bzw. Weisung verstanden. Derartige Botschaften bzw. Weisungen haben eine enorme Wirkung auf einen Menschen, der die „Stimme Gottes“ vernimmt. So weigerte sich Moses zuerst entschieden, die Weisung Gottes zu befolgen, doch hatte er letztendlich keine Wahl, er musste tun, was ihm die „Stimme Gottes“ befahl. Ebenso nutzte es Jonas wenig vor einer göttlichen Anweisung zu fliehen, er musste seinen Auftrag erfüllen.

Auch in der antiken Kultur gab es Menschen, denen ein Gott oder Göttinnen begegneten bzw. die eine Innere Stimme hörten, die sie als die Stimme Gottes wahrnahmen. Sokrates nannte diese Innere Stimme Daimonion, was so viel wie Schutzgeist bedeutet. Da er der inneren Stimme mehr vertraute als Menschenmeinungen, wurde er als „Gotteslästerer“ hingerichtet. Jesus, der sich „mit dem Vater im Himmel“ zutiefst verbunden fühlte und „seine Stimme hörte“, ereilte das gleiche Schicksal.

Der Grund für die Verfolgung von Menschen, welche ihrer Inneren Stimme mehr vertrauen, als „priesterlichen Göttern“, ist einfach: Wenn Menschen sich selbst an die kosmische Weisheit wenden und um spirituelle Erkenntnis bemühen, werden die „Vermittler zwischen Gott und den Menschen“ überflüssig – ihre Macht bricht zusammen.

Das gilt nicht nur für priesterliche bzw. religiöse, esoterische Machtstrukturen, sondern auch für weltliche.

Da es nach wie vor eher die Ausnahme ist, dass Menschen einen direkten Zugang zur kosmischen Weisheit haben, also deutlich die Stimme Gottes (den Heiligen Geist) hören, sind Orakelpraktiken auch heute noch immer eine beliebte Methode, um sich Rat bei der kosmischen Weisheit zu holen.

Doch Vorsicht! Auch wenn es durchaus möglich ist, von der Kosmischen Intelligenz Rat und Hilfe zu bekommen (wer es nicht glaubt, möge es testen), ist dennoch nicht garantiert, dass tatsächlich der Heilige Geist antwortet. Denn da gibt es auch den Geist der Täuschung, der gerade dort stark vertreten ist, wo Menschen meinen, im Namen Gottes zu reden oder Engel- Medien zu sein. Insofern müssen auch Offenbarungen, egal von wem sie kommen, ebenso kritisch geprüft werden wie alles andere, wenn nicht sogar noch kritischer, denn wir befinden uns in einem sehr subtilen Wahrnehmungsraum.

Wenn jemand wahrhaft erkennen will, dann wird der Heilige Geist auch mittels Orakel antworten, denn die kosmische Intelligenz betrügt niemanden, der ernsthaft nach Selbst- Erkenntnis strebt! Es sind nicht die Mittel, die „teuflisch“ sind (Karten oder andere Orakel), sondern die Motive, warum jemand Orakelpraktiken durchführt oder durchführen lässt. Unsere Motive entscheiden, ob wir Antworten vom Heiligen Geist erhalten oder von unheiligen Geistern. Auch religiöse Beter erhalten nicht automatisch eine göttliche Antwort, denn es ist nicht der (allein richtige) religiöse Glauben oder die Kirchenzugehörigkeit, die bestimmt, ob der Heilige oder der Unheilige Geist antwortet, sondern es ist auch hier der Wusch nach Selbst-Erkenntnis versus Wollen aus dem Selbstbetrug heraus.

Fazit: Wer wahrhaft erkennen will, für den können Orakel eine wichtige Hilfe sein, um mit der kosmischen Intelligenz zu kommunizieren. Aber Achtung! Wichtig ist es stets zu überprüfen, ob man wirklich ehrlich genug zu sich selbst ist oder lieber Bestätigung für sein Denken, Begehren, usw. sucht. An den Früchten ist erkennbar, welcher Geist antwortet bzw. welchem Geist man durch seine Anschauungen, Überzeugungen dient. Kann man Probleme, Konflikte lösen und fließen dabei positive Energien (Liebe, Freude), wurde man vom Heiligen Geist „beraten“. Lösen sich Probleme, Konflikte nicht, sondern verschlimmern sich noch bzw. stößt man auf weitere Mauern, waren die Informationen nicht aus der göttlich-geistigen Eben.

Es ist zudem wichtig, nicht zu übertreiben und für jede Kleinigkeit um kosmischen Rat zu bitten (was auch für das Beten gilt), sondern letztendlich eigenverantwortlich zu prüfen und sich dann auch zu entscheiden, was man tun will.

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