Das beseelte Universum (vedische Kosmologie)

Autor: A. C. Fender

Ein wesentlicher Aspekt vedischer Kosmologie ist, dass das Universum „beseelt“ ist:

Nachdem der Herr die materielle Substanz geschaffen hat, erweitert Er sich und geht in sie ein… Der Herr durchdringt als Überseele alle Dinge… Die Überseele geht in die Körper der erschaffenen Wesen ein… So erhält der Herr der Universen all die von den Halbgöttern, Menschen und niederen Tieren bewohnten Planeten. (Auszüge aus S.B. 1.2)

Das gesamte Universum ist laut vedischer Quelle „vom Geist Gottes“ durchdrungen. Ohne den geistigen Urgrund bzw. die geistige Substanz, die als Erweiterungen des höchsten Gottes in jedes zu schaffende Gebilde eingeht, angefangen bei den größten, den Galaxien, dann den Sternen und Planeten, den Lebewesen bis hin zu den Grundbausteinen der Materie, den Atomen, könnten diese Gebilde weder entstehen, noch in sich stabil bleiben. In der Bhagavad Gita heißt es diesbezüglich:

Die Materie als große göttliche Ursubstanz ist der Mutterschoß, aus dem die Körper der Lebewesen entstehen. Lebende Wesen entstehen jedoch nur, weil die jiva- Seelen, meine Teile, in die Materie eingehen. Das mahat brahma ist die Mutter, aus deren Schoß alle Lebewesen ihren Körper bekommen und ich [Vishnu] bin der samengebende Vater.  (BG 14.3-4)

Die Energie, aus der die Materie hervorgeht, existiert in einer unmanifestierten Form, solange der „Geist Gottes“ nicht als Überseele in diese Energie eingeht und aus ihr die Grundbausteine der Materie erschafft (Quarks, Atome). Auf der Basis von Kräften und Gesetzen werden die höheren Gebilde und Systeme von den Teilerweiterungen Gottes, Jiva- Seelen, geformt. Dabei ist der „Geist Gottes“ nicht außerhalb der Gebilde, sondern geht als eine Überseele (in Form von vielen Teilerweiterungen bzw. Jiva- Seelen) in sie ein.

Die Schöpfung beginnt mit den hohen Lichtwesen und geht hin bis zu den unbeweglichen Dingen; doch allesamt befinden sich diese Formen im dreifachen Einflussbereich des Prakriti (der materiellen Energie). (Padma Purana 1.3.165)

Bevor das materielle Universum entstehen kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

Als erstes müssen aus der materiellen Ursubstanz (Pradhana) die Grundbausteine der Schöpfung erschaffen werden. Das ist die primäre Schöpfung oder die Urschöpfung, in deren Folge es zur Entstehung der Prakriti (Lichtenergie), des Mahat-Tattva (der Elementarteilchen) und samenförmiger Universen kommt (Schwarze Löcher, aus denen Galaxien entstehen?).

Die zweite Grundvoraussetzung ist die Entstehung Brahmas – einer Weltenseele, die in die Ursuppe aus materiellen Grundbausteinen eingeht und daraus kosmische Strukturen formt. Die Aktivität Brahmas ist die „weitergeführte“ Schöpfung oder sekundäre Schöpfung. Durch Brahma, eine vollständige (in allen geistigen Eigenschaften) Teilerweiterung des absoluten Geistes, beginnt die Manifestierung aller fein- und grobstofflichen Formen innerhalb eines Universums. Brahma bringt jedoch nicht selbst alle kosmischen Schöpfungen und Lebensformen hervor, sondern von ihm geht die erste Generation weiterer Teilerweiterungen aus, die wiederum weitere Seelen hervorbringen. So entsteht eine Hierarchie von Seelen, angefangen mit Brahma, der Weltenseele eines Universums (einer Galaxie), ihm folgend die Jiva- Seelen der Sterne, aus ihnen folgen die der Planeten. Die Jiva- Seele eines Planeten bringt die Naturdevas hervor, diese wiederum die Seelen der Lebewesen usw.

Bevor es eine Schöpfung geben kann, muss es erst einmal Schöpfer geben, die in ein materielles Urmeer eingehen oder in einen Samen, um das in ihm eingespeicherte Potential zur Entfaltung zu bringen. Das erste Lebewesen im Universum ist laut vedischen Schriften also nicht ein Mikroorganismus, der zufällig aus Materie entstanden ist, sondern eine gigantische Weltenseele, aus der unzählige weitere Seelen hervorgehen, die den Kosmos auf den verschiedenen Ebenen erschaffen und in einem Kreislauf aus Werden und Vergehen im Gleichgewicht erhalten.

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Dietmar Sedlmayr Lage da Pena P-3430-649 Cabanas de Viriato
    Feb 28, 2019 @ 21:56:12

    Sehr geehrte Frau Fender, gestern hab ich Ihren wissenschaftlichen Kommentar zum Urknall gelesen. Fast dasselbe hab ich – nicht so ausfürhlich – in meinem nie fertig werdenden Buch „Urwissenschaft – Naturwisseenschaft – vom Sinn zum Wahn“ geschrieben. ich möchte Sie, was die Weltschöpfung betrifft, auf das Vijnyâna-Vada der Buddhisten hinweisen, das für mich „das Gelbe vom Ei“ ist und im Grunde ja schon von Plato vertreten wurde, Falls Sie nachlesen wollen, empfehle ich von V.v. Glasenapp und H.Zimmer.Ich würde mich sehr freuen, in näheren Kontakt mit Ihnen zu kommen.

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  2. gunst01
    Aug 23, 2019 @ 18:27:34

    Hat dies auf Die Goldene Landschaft rebloggt.

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