Tagebuch einer Seele

Ich möchte in die Welt hinauswandern und das Leben suchen in den Seelen anderer Menschen.

Es gab zu allen Zeiten Menschen, welche die Fähigkeit besaßen mehr wahrzunehmen als „normal“ ist. Es waren (Männer und Frauen), die als Schamanen, Heiler, Seher, spirituelle Lehrer usw. anerkannt wurden. Oder sie wurden als Ketzer und Hexen verschrien, verfolgt, gefoltert und oftmals getötet.

Zwar werden in der heutigen Zeit Menschen, die anders sind, nicht mehr aufgrund ihrer Fähigkeiten verfolgt und getötet. Aber es gibt nach wie vor Vorurteile, die dazu führen, dass Menschen, die ungewöhnliche Fähigkeiten besitzen (zum Beispiel über eine subtilere Wahrnehmung verfügen), ausgegrenzt, gemobbt oder sogar als krank bezeichnet werden. Sie werden nicht mehr als Hexen oder Ketzer bezeichnet, aber nicht selten als Spinner oder Verrückte oder sogar als wahnsinnig.

Eine Grundlage dieser Urteile sind (neben Unkenntnis und sonstigen Vorurteilen) philosophische Postulate der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, zum Beispiel, dass nur das existiert bzw. real ist, was der Mensch mit seinen Sinnen wahrnehmen kann. Aber ist das wirklich so? Was weiß die Wissenschaft über das (vielschichtige) Universum und den Menschen, um das mit Sicherheit behaupten zu können?

Die Naturwissenschaft ist in der Erforschung der Materie sehr weit vorangeschritten. Sie kann in unfassbare Weiten des Kosmos schauen und ebenso in die Tiefen des Mikrokosmos. Aber was weiß sie über immaterielle (feinstoffliche) Substanzen und Energien? Was weiß sie wirklich über den Ursprung des Lebens, über seine Eigenschaften, Erscheinungs- und Wirkungsweisen im Kosmos, in der Natur und im Menschen?

In der Kosmologie wurde entdeckt, dass der materielle Kosmos nur einen (sehr geringen) Teil des Universums ausmacht (etwa 4%). Es existiert also sehr viel mehr als die materielle Welt, die wir (und das auch nur teilweise) mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen können.

Es gibt keine naturwissenschaftlichen Beweise für die Behauptung, dass nur die materielle Welt real ist und der Mensch nur fähig ist mit seinen Sinnesorganen die Realität wahrzunehmen. Es ist lediglich ein Weltbild, das derartige Behauptungen aufstellt. Es bezeichnet sich als naturwissenschaftlich, lässt jedoch nur Erkenntnisse zu, die diesem Weltbild (das sich im 19./ 20. Jahrhundert entwickelte) entsprechen bzw. interpretiert sie in seinem Sinne und ignoriert das, was nicht in das Weltbild passt. Das hat mit echter Wissenschaft nichts zu tun.

Es sind unsere Weltbilder, die bestimmen, was wir als „wahr“ annehmen und wie wir urteilen. Dies gilt es zu bedenken, denn es hat einen entscheidenden Einfluss auf unser persönliches Leben (ob wir leiden oder unser Leid überwinden können) und auf die kollektive Entwicklung der Menschheit (unter anderem auf die selbstgesteckten Grenzen und auch Grenzüberschreitungen in der Wissenschaft, oder darauf, ob wir Kriege führen und sogar unseren Planeten zerstören oder ob wir es verhindern wollen und können).

Nur durch vorbehaltlose Erkenntnis können Vorurteile überwunden werden. Es geht dabei auch um Fragen wie: Was von dem, was ich glaube, ist wirklich wahr und was sind weltanschauliche, kulturelle Postulate oder einfach nur meine Meinung? Was von dem, was ich wahrnehme, ist wirklich real und was sind Illusionen, Täuschungen oder sogar Wahnvorstellungen?

Insbesondere die letzte Frage, die Frage danach, was von dem Wahrgenommenen real existiert und was Illusionen bzw. nur Einbildungen sind, spielt im „Tagebuch einer Seele“ eine wesentliche Rolle.

In diesem „Tagebuch“ schreibt eine hochsensible Jugendliche, die mit intuitiven Fähigkeiten begabt ist, über ihre inneren und äußeren Erlebnisse. So erfährt der Leser einiges über ihr einengendes soziales Umfeld (in der damaligen DDR), in dem „Anderssein“ nicht akzeptiert wurde. Man musste sich anpassen oder ging unter.

Zu den Herausforderungen im alltäglichen Leben, die oftmals durch Unverständnis in ihrem Umfeld und durch geistige Unterforderung erzeugt wurden, kam noch ein intensives Innenleben dazu. So erfahren wir in diesem Tagebuch auch einiges über unsichtbare Welten, die mit der normalen Realität nichts zu tun haben oder etwa doch?

Auch wenn die politisch- ideologische Situation in der damaligen DDR das Leben von Menschen, die „anders“ sind, offenbar zusätzlich erschwert hat, hat sich meines Erachtens nicht allzu viel geändert. Es gibt nach wie vor Vorurteile, die das Leben von Menschen, die nicht in die Norm passen, erschweren oder sogar extrem belasten.

So wird bereits Kindern Nichtnormalität bescheinigt, wie zum Beispiel ADHS, weil sie zu lebhaft, unkonzentriert oder allgemein unangepasst sind. Dabei sind sie nur anders, mitunter zu intelligent, um in der Schule dem normalen Unterricht konzentriert folgen zu können.

Kinder, die zu still sind und zu viel träumen, erhalten den Stempel ADS, und wenn sie zu viel fantasieren und mehr wahrnehmen als es „normal“ ist, wird ihnen sogar eine psychische Erkrankung bescheinigt.

Durch das oftmals nach wie vor fehlende Verständnis, was ungewöhnliche Veranlagungen betrifft (selbst bzw. gerade in der Pädagogik, Psychologie und Psychiatrie), können betroffene Menschen psychisch extrem belastet werden. Das kann dann zu psychischen Einbrüchen und/ oder psychosomatischen Erkrankungen führen. Nicht die Veranlagung eines Menschen ist Ursache für psychische Probleme, sondern der Umgang damit!

Es gibt inzwischen mehr Toleranz, was das „Anderssein“ betrifft, und vor allem Literatur, die aufklärt (z.B. über Hochsensibilität). Es hilft betroffenen Menschen zu sich zu stehen und sich gegen Ausgrenzungen zu wehren. Es wäre jedoch besser, wenn Anderssein allgemein als etwas Normales anerkannt werden würde, anstatt es wegtherapieren zu wollen. (aus dem Vorwort von A. C. Friedrich)

EINLEITUNG DES „TAGEBUCHS“

Als ich mit 16 Jahren anfing, Tagebuch zu schreiben, hatte ich noch unendlich viele Fragen an das Leben und keine Ahnung, wie ich darauf Antworten finden kann. Mein Kopf war voller Gedanken, Träume, Fantasien. Da sich niemand in der „Menschenwelt“ dafür interessierte, war ich schon als Kind gern allein, um mich mit dem, was in meinem Innern auf mich einströmte, in Ruhe auseinandersetzen zu können.

Am liebsten war ich in der Natur. Dort fühlte ich mich angenommen und geborgen. Der Natur konnte ich alles anvertrauen. Ich redete mit ihr in Gedanken und bekam Antworten, die vieles erklärten. So war meine Kindheit zumeist glücklich, trotz der Ablehnung und dem Unverständnis in meinem Umfeld.

Nach der 10. Klasse begann ich eine Ausbildung an der Artistenschule in Berlin. Das Training machte Spaß und ich kam auch mit den anderen in der Trainingsgruppe gut aus. Aber mir fehlte meine Freiheit, die Natur, meine geliebten Pferde. Vor allem fehlte mir geistige Nahrung.

Da ich nun fast den ganzen Tag mit anderen zusammen war und mich ihrer (Gedanken-) Welt anpassen musste, hatte ich kaum Zeit für meine eigenen Gedanken und Gefühle. Ich musste sie (somit mich selbst) verleugnen. Das erzeugte innere Leere, Spannungen und Konflikte. Es wurde immer schwieriger für mich, in der „normalen“ Welt zu leben, weil ich meine eigene Welt unterdrücken musste. Nach sieben Monaten musste ich die Ausbildung an der Artistenschule beenden.

Zu Hause angekommen wuchs in mir eine dunkle Leere. Ich hasste mich, weil ich nicht normal war, nicht so sein konnte wie andere. Zudem fühlte ich mich als Versager, weil ich die Ausbildung nicht geschafft hatte, aber auch, weil ich diese inneren Konflikte hatte, diese Leere spürte und nichts dagegen tun konnte.

Nach einiger Zeit fiel ich in ein tiefes psychisches Loch. Ich machte Bekanntschaft mit Dämonen und es begann ein Kampf gegen Wahnsinn und Tod. Zum Glück verschloss sich der psychische Abgrund wieder und die dämonischen Kräfte verloren ihre bedrohliche Macht. Es war dennoch nichts mehr wie es früher war.

Noch jahrelang litt ich unter psychischen Belastungen, durchlebte mitunter heftige Krisen, musste gegen innere Leere, Lethargie und Depressionen kämpfen. Ich gab mir immer selbst die Schuld, dachte, dass ich einfach nur zu schwach bin, um ein normales Leben zu führen.

Heute weiß ich, dass es nicht darum ging, dass mit mir irgendetwas nicht stimm(t)e, sondern dass die äußeren Lebensumstände ungünstig für meine Veranlagung waren. Ich musste meine Fähigkeiten unterdrücken, mich selbst verleugnen und nach den Erwartungen anderer funktionieren, mich ihren Vorstellungen anpassen.

Wenn jedoch die eigene Entwicklung massiv unterdrückt wird und es nirgendwo Verständnis, Unterstützung gibt, sind psychische Krisen vorprogrammiert.

Wirkliche Hilfe kann es nur geben, wenn die Ursachen von psychischen Leiden verstanden werden. Es bedeutet, den Menschen in seiner Veranlagung ernst zu nehmen, ihn in seiner Entwicklung zu unterstützen, anstatt ihn in vorgegebene Vorstellungen und Normen hineinpressen zu wollen.

Zum Glück begann ich eines Tages mit dem Tagebuch schreiben. Es verband mich mit mir selbst, half mir zu erkennen und holte mich aus sozialen Abhängigkeiten und Verwicklungen heraus.

Es half mir durch schwierige Zeiten und begleitete mich bei wunderbaren Erlebnissen. Es war eine Möglichkeit, sich nach außen zu öffnen, ohne mit den verständnislosen, destruktiven Reaktionen anderer konfrontiert zu werden, die aufgrund von Vorurteilen (auch Ängsten) unvermeidlich waren.

Das Tagebuch wurde zu meinem besten Freund, dem ich alles anvertrauen konnte. Es ersetzte die Gespräche, die ich als Kind allein in der Natur führte.

Inzwischen sind einige Jahrzehnte vergangen und es ist viel passiert. Die geistige Enge in den Mauern der DDR ist vorbei. Endlich wurde es möglich, sich vorbehaltloser zu äußern und geistige Nahrung auf den verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Sichtweisen zu finden. Erst nach dem Mauerfall wurde mir bewusst, wie sehr wir in der DDR geistig unterdrückt wurden. Mich störte damals nicht, dass wir nicht in den Westen reisen durften oder nicht diesen Konsum hatten. Mich störte diese geistige Enge, in der nur bestimmte Literatur (bzw. Informationen) zugelassen wurde und es geradezu verboten war, anders zu denken als es erwünscht war. Das ist zum Glück Geschichte.

Dennoch, trotz der Vielfalt an Informationen (geistiger Nahrung) und (Entwicklungs-) Möglichkeiten, die in der „westlichen Welt“ gegeben sind, gibt es auch weiterhin Vorbehalte gegenüber Menschen, die „anders“ sind. Es ist nach wie vor schwierig, wirklich ehrlich zu sein, weil es noch immer an Verständnis fehlt und auch Vorurteile existieren. Das (und weiteres) hat mich bewogen, das „Tagebuch einer Seele“ zu veröffentlichen und die darin eingefangene Seele zu befreien.

Damals, in der DDR, konnte sich die Jugendliche nicht offenbaren. Vielleicht findet sie heute Menschen, denen es ähnlich geht und sie kann ihnen Mut machen.

Vielleicht findet sie auch Menschen, die vorbehaltlos verstehen wollen, auch wenn sie nicht „betroffen“ sind. Vielleicht inspiriert sie den ein oder anderen, regt zum Nachdenken an. Das hätte sie überglücklich gemacht. Das weiß ich.      Viel Spaß beim Lesen wünscht Nora Seelig

Das Buch ist im Internet als gedrucktes Buch und eBook erhältlich, zum Beispiel bei: bod.de

Es kann auch in Buchläden bestellt werden. ISBN: 9783752869491

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