Hooponopono – Die Macht der Vergebung

Vorurteile, Missverständnisse, unbewusste Schattenanteile führen oftmals dazu, dass wir anderen Menschen (ungewollt) Unrecht tun oder sie uns bzw. dass wir uns gegenseitig zutiefst verletzen. Mitunter können uns Verletzungen bis hin zu massiven Übergriffen emotional so stark belasten, dass sie unser gesamtes Leben beeinflussen und erschweren. Wir sind gedanklich und emotional fixiert auf diese traumatischen Verletzung(en), oder geraten immer wieder in Konflikte und Krisen, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt. Aber es gibt immer einen positiven Ausweg. Dieser ist mit Selbst-Erkenntnis verbunden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Vergebung. Die Frage ist nur: „Sind wir bereit dafür?

Wenn ich das Thema Vergebung anspreche, höre ich oft: „Ja, aber zuerst muss sich der andere bei mir entschuldigen“ oder „Ja, aber zuerst muss derjenige/ diejenige einsehen, was er/ sie mir angetan hat, dann vergebe ich. Genau dieses: „Ja, aber…“ führt dazu, dass die Konflikte sich verschärfen, anstatt aufgelöst zu werden, Verletzungen immer tiefere Wunden schlagen bzw. diese Wunden nicht heilen, Beziehungen in die Brüche gehen und wir immer wieder von anderen enttäuscht werden.

Wenn wir uns selbst und anderen nicht vergeben können bzw. die Vergebung von anderen abhängig machen, schaden wir uns selbst und geben gegebenenfalls denjenigen, die uns (bewusst) schaden woll(t)en, weiterhin Macht über uns. Denjenigen, denen es nicht bewusst ist, warum wir uns verletzt fühlen, nehmen wir die Gelegenheit zu verstehen. Wir nehmen uns zudem die Chance, aus unseren (leidvollen) Erfahrungen Erkenntnisse zu gewinnen, dadurch spirituell zu wachsen und uns wieder lebendig, stark, gesund, glücklich zu fühlen.

Das heißt: Wir tragen die destruktive Energie, die durch Verletzungen oder Enttäuschungen in uns ausgelöst wurde, solange als „Lebensenergie-Blockaden“ in unserem Inneren, bis wir bereit sind, uns davon zu befreien. Alles, was wir anderen übel nehmen, tragen wir als Übel in uns selbst. Wenn wir andere hassen, ist der Hass als destruktive Energie in uns. Es schadet uns, nicht denjenigen, den wir hassen. Wir können Verletzungen (Übergriffe) nicht rückgängig machen. Es liegt jedoch allein an uns selbst, ob und wie lange wir deren Opfer sind, indem wir sie als „schmerzende Wunde“ in uns festhalten.

Aber wie soll ich vergeben, wenn mein Innerstes vor Verletzungen schreit?

In seinem Buch: „Ho’oponopono“ stellt Ulrich Emil Dupree ein hawaiianisches Vergebungsritual vor. Es gehört zu den uralten hawaiianischen Lehren, Huna genannt, deren Wurzeln Jahrtausende zurückreichen – bis in die vedische Hochkultur hinein. Diese Lehren basieren auf „Aloha“, was soviel bedeutet wie: „Ich sehe das Göttliche in dir, und ich sehe das Göttliche in mir“. Es geht um die allumfassende göttliche Liebe – im Christentum „Agape“ genannt, in den östlichen Lehren als „bhakti“ (hingebungsvolle Liebe) bezeichnet oder als „Mitgefühl“ – das in der Aufforderung von Jesus: „Liebe deine Nächsten wie dich selbst“ Entsprechung findet. In jeder Religion spielt die Vergebung eine zentrale Rolle, dennoch soll hier speziell das Ho’oponopono vorgestellt werden, da es kurz und übersichtlich die wesentlichen Merkmale des Vergebungsprozesses darstellt.

Was ist Ho’oponopono?

„Ho’o“ heißt „machen“, „pono“ heißt „richtig“. Also bedeutet „Ho’oponopono“ „richtig richtig machen“. Ho’oponopono ist Liebe in Aktion. Man vergibt sich und anderen dafür, einander irgendwann verletzt oder nicht geholfen zu haben. Ho’oponopono basiert auf vier Schritten, die dazu dienen, ein Problem von Grund auf zu lösen bzw. eine Situation zum Guten zu wenden. Das Ziel ist, mit sich selbst in Einklang zu kommen, was nur funktioniert, wenn ich auch bereit bin, mit meinen Nächsten, der Natur und den Gesetzen des Lebens im Einklang sein zu wollen.

Wie funktioniert Ho’oponopono?

Ho´oponopono funktioniert bei jeder Art von Verletzung. Allerdings, je tiefer/ traumatischer eine Verletzung ist, umso schwieriger und tiefgründiger ist der Prozess der Vergebung. Aber es ist nicht unmöglich zu vergeben, sofern wir es wollen. Wenn wir noch nicht so viel Übung mit inneren Prozessen haben, ist es hilfreich einen neutralen, erfahrenen Beistand dabei zu haben. Dieser muss in der Lage sein, innere Reisen führen zu können, ohne sich mit Wertungen einzumischen. Er muss ebenso wie ein „Seelen-Spiegel“ die inneren Konstellationen aller Beteiligten reflektieren können, dabei jedoch einen sicheren Halt bieten. Das können bei alltäglichen Konflikten gute Freunde sein, die neutral (also nicht involviert) sind, was das zu bearbeitende Thema betrifft. Bei schwierigeren „seelischen Wunden“ sollten es professionelle Begleiter sein, die Erfahrungen mit „inneren Reisen“ haben.

Die vier Schritte:

1. Vorbereitung: Wir suchen uns einen Ort, an dem wir ungestört sind. Wir meditieren, beten etc., um innerlich zur Ruhe zu kommen und bitten anschließend um Erkenntnis, Mut, Kraft, Weisheit für den Prozess der Vergebung.

2. Sind wir innerlich fokussiert, betrachten wir den Konflikt oder die Situation, in der wir verletzt wurden, möglichst wie ein Außenstehender bzw. wir haben eine Person, die als Außenstehender den Prozess begleitet. Wichtig ist, nicht emotional in die Situation hineinzugehen, sondern möglichst geistig klar zu sein. Das bedarf einiger Übung. Dann stellen wir die Frage (ans Universum, an Gott, an uns Selbst etc.): Warum ist das passiert? bzw. Warum fühle ich mich verletzt?

Es geht hierbei darum, unbewusste Glaubensmuster, gegebenenfalls bereits vergessene Kindheits-Traumata, Abwehr- und Kontrollmechanismen, (Verlust-)Ängste, eigenes verletzendes Verhalten (auch unbeteiligten Personen gegenüber) etc. aus dem Schatten unseres Unbewussten ins Licht unseres Bewusstseins zu holen. Wir leuchten sozusagen in unseren Keller (unser Unbewusstes) hinein, um nach Antworten zu suchen. Werden wir fündig, haben wir uns selbst ein wenig mehr erkannt. Anschließend geht darum, sich in die Position des „Täters“ hineinzuversetzen, und zu verstehen, was seine Motive bzw. unbewussten Prägungen sind, die das Verhalten verursachten.

Haben wir die verursachenden geistigen Prägungen in uns erkannt, können wir sie aufarbeiten. Wir können nicht die unbewussten Prägungen anderer Menschen verändern, jedoch unsere eigenen.

Mitunter löst sich ein Konflikt allein dadurch auf, weil wir unsere Prägungen (damit unser Energie-Feld) verändert haben, wobei wir gleichzeitig in unserem Bewusstsein ein Stückchen gereift sind.

Da wir jedoch keinen Einfluss darauf haben, ob auch andere am Konflikt beteiligte Personen bereit sind, „sich zu ändern“, ist es nun auch wichtig, sich konstruktive „Strategien“ zu überlegen, wie wir uns in entsprechenden Situationen verhalten können. Das kann zum Beispiel bedeuten, den Mut zu entwickeln, anderen rechtzeitig Grenzen zu setzen, auch mal Nein zu sagen, zu lernen authentisch darüber zu reden, wie man sich in bestimmten Situationen (einem bestimmten Verhalten) fühlt, das heißt anderen ein (freundschaftliches) Feedback zu geben (ohne zu kritisieren) und sich traut, über Konflikte zu reden, ohne von vorn herein den anderen zu beschuldigen. Etc.

Ist dieser Selbst-Erkenntnis-Prozess erfolgreich gewesen, folgt automatisch:

3. Wir vergeben bedingungslos uns selbst und den anderen und sprechen die vier Wundersätze: Es tut mir leid. Bitte verzeih mir. Ich liebe dich. Danke.

Es tut mir leid steht für meinen eigenen Anteil am Konflikt, auch wenn dieser völlig unbewusst war und andere Beteiligte sich ihres Anteils nach wie vor nicht bewusst sind oder ihn nicht (ein-)sehen wollen. Ich bin für mich selbst verantwortlich, dafür, dass ich mich erkennen – mein unbewusstes Inneres – und meine destruktiven Anteile auflöse bzw. lerne es „richtig richtig zu machen“.

Was andere Menschen tun, bestimmen sie selbst. Bleiben sie bei ihrem destruktiven Verhalten, kann ich mich von ihnen abgrenzen bzw. mich generell von ihnen lösen. Hören sie mir zu, wenn ich ihnen sage, wie ich mich fühle, bzw. wenn ich meine Grenzen setze, kann eine Beziehung wachsen.

Vergebung kann nicht von anderen erzwungen werden, sie muss aus eigener tiefster Seele kommen, als Akt der Liebe und der seelischen Befreiung. Vergebung ist nicht davon abhängig, ob jemand um Vergebung bittet oder nicht.

Bitte verzeih mir steht für die Verletzungen, die ich anderen angetan habe. Das können auch andere Personen sein, die ich so behandelte, wie ich behandelt wurde.

Ich liebe dich bedeutet: Ich sehe dich als ein spirituelles Wesen, das so wie ich hier ist, um seine Erfahrungen, einschließlich der vielen Fehler, die dazugehören, machen zu können. Ich sehe dich und auch mich als eine Individualität, die sich entfalten will und so sein darf, wie sie von ihrem Potential her veranlagt ist (grenzüberschreitendem Verhalten müssen natürlich Grenzen gesetzt werden). Kein spirituelles Wesen gleicht dem anderen, so wie keine Pflanze oder kein Tier dem anderen gleicht. Weil du anders bist als ich, kann ich von dir lernen, mich von dir inspirieren lassen. Ich kann dich sein lassen, wie du bist und ich stehe zu mir, wie ich bin. Wenn wir uns mögen und zusammen ein Stück Lebensweg gehen möchten, können wir gemeinsam regeln, auf welcher Ebene wir uns treffen und wo jeder seine Grenzen hat.

Danke. Danke geht an alle Beteiligten in einer Situation, durch die ich zu neuen Einsichten gelangt bin, die mich ein Stückchen spirituell wachsen ließen. Ich bin bereit, mit anderen Beteiligten über diese Situation zu reden und mich für meinen Anteil zu entschuldigen (sofern erwünscht). Das kann andere ermutigen, ebenso die Verantwortung für ihren Anteil zu übernehmen und letztendlich dazu beitragen, einen Konflikt endgültig zu lösen. Ist dies nicht möglich, löse ich mich und ziehe mit Frieden in meinem Innern meiner Wege.

4. Ist ein Konflikt in meinem Innern restlos aufgelöst, indem ich die Ursachen und energetischen Verstrickungen erkannt und allen Beteiligten vergeben, zumindest ihre Motive oder Prägungen verstanden, habe (es zeigt sich daran, dass Unmengen positiver Energie fließen) geht es darum, nun auch endgültig loszulassen.

Eine Angelegenheit ist vergessen (nicht die Lehren, die aus ihr gezogen wurden), wenn sie bei allen Beteiligten bereinigt wurde, aber auch wenn jemand diese für sich bereinigt hat und es bei anderen keinen „Reinigungsbedarf“ gibt oder gewollt ist. Es wird keinem mehr ein Vorwurf gemacht. Ich (wir) habe(n) etwas über uns und unsere Nächsten erfahren, haben ggf. einschränkende Prägungen abgelegt, Schattenanteile aufgelöst und neue konstruktive Verhaltens- Strategien erworben – wir sind spirituell gewachsen.

Auf Hawaii sagt man, nach der Vergebung sei die Angelegenheit „oki“, „erledigt“, und man rüttelt nicht mehr daran.

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